Je logischer und präziser man sich in unserer Sprachterminologie einer außersinnlichen Wahrnehmung analytisch annähert, desto weniger kommt man an sie heran.
Der Umstand, dass unsere Sprache für dieses Terrain kein geeignetes, nachvollziehbares Vokabular bereitstellt, zwingt uns bei der Beschreibung dieser Sinnesphänomene zu linguistischen Doppeldeutigkeiten, was sich in der Mehrfachverwendung von Begriffen wie zum Beispiel Energie, Feld und Kraft niederschlägt. Auch begriffliche Neuschöpfungen, wie beispielsweise das »morphogenetische Feld«, die aus einer interdisziplinären Wortkombination entstanden sind, tragen wenig zu einer erfahrbaren Erhellung bei. Nun hat die moderne Quantenphysik unstrittig gezeigt, dass im Mikrokosmos unserer Welt durchaus andere Spielregeln und Gesetze gelten, die wir aufgrund unserer »Makro-Wahrnehmung« nicht für möglich gehalten hätten. Einige der scheinbar übersinnlichen Phänomene lassen sich mit Modellen aus der Quantenphysik recht gut erklären, trotzdem bleibt dies weitgehend ein rein intellektuelles Vergnügen von Insidern und speziell Interessierten, wobei ein Großteil der Menschen im Alltag davon nicht viel hat.Es ist schon eine verzwackte Angelegenheit.
Wenn wir also nicht alles so genau verstehen wollten, wenn wir einen Hauch von intellektueller Unschärfe an uns akzeptieren würden, könnten wir Über- bzw. Außersinnliches auch akzeptieren, weil wir im Grunde genommen wissen, dass es so etwas gibt. Auf jeden Fall haben wir für diese Beschreibungsfälle einen geeigneten, allgemeingültigen Sprach-Container, nämlich den Sechsten Sinn. Hier können wir alles das hineinpacken, was wir nicht verstehen wollen oder können, aber dennoch irgendwie erleben. Mit dem Sechsten Sinn beschreiben wir nicht nur die Wahrnehmungen, für die wir glauben, keine Sensoren zu besitzen, sondern auch alle sogenannten PSI-Phänomene, die mit Hellsehen, Telepathie oder Telekinese zusammenhängen. Der Sechste Sinn ist naturgemäß ein Container, an dem sich zuweilen nicht nur »rechtschaffene « Esoteriker, sondern auch Personen mit bizarren Sehnsüchten, Weltrettungsversuchen und Darstellungsgelüsten zu schaffen machen. Obwohl wir daher im seriösen Umgang mit der Bezeichnung Sechster Sinn immer ein wenig fremdeln, schränkt dies aber die reine Begrifflichkeit zunächst nicht ein. Jeder weiß eigentlich, was damit gemeint ist, und eine negative Vorbesetzung hält sich trotz der schwachen wissenschaftlichen Beweisführung seiner Inhalte in Grenzen. Auch dem Verdacht zum Trotze, uns einer anglizistischen Worthülse zu bedienen, nennen wir im Folgenden unseren Sprach-Container »Sixth Sense«, da es für uns keine treffendere und einleuchtendere Bezeichnung dafür gibt.Bevor nun auf die konkreten Inhalte näher eingegangen werden soll, möchten wir vorab möglichst verständlich und illusionsfrei einige aus Erfahrung vorprogrammierten Haltungspositionen gegenüberstellen, die sich zwangsläufig aus einer Debatte zum Thema »Sixth Sense« ergeben werden.
