Eine kleine philosophische Vorspeise
»Von dem, wo für die einen etwas drin ist, und von dem, wo für die anderen nichts dran ist.«Eigentlich geht es im Leben immer wieder um Wissen, Besserwissen und um Glauben. Eine persönliche Balance dieser Widersprüche herzustellen und dabei noch für die anderen ein netter Mensch zu bleiben, ist immer wieder eine Herausforderung, die auch ein bisschen vom Tageslicht, vom Mondstand und von den Jahreszeiten abhängt. Auf gut Deutsch, wir wissen nicht, wann, wie und warum wir durch welche subjektiven Erkenntnisse erleuchtet werden, einen objektiven Sachverhalt als wahr oder unwahr zu betrachten. Wenn wir uns nun auch noch froh gelaunt auf das Feld der »feinstofflichen Energien« begeben, öffnet sich förmlich ein Abgrund der Unklarheit bzw. ein Minenfeld der Meinungsverschiedenheiten. Der Verstand ist zwar eine geniale »Erfindung«, aber auch zugleich der übelste Feind unserer Intuition. Den Instinkt brauchen wir unabdingbar, um etwas zu verstehen, was von unserer Logik her eigentlich nicht geht. Ein ganzheitlicher Durchblick fängt bei der Art des Denkens an.
Es gibt auf der einen Seite die Welt der Physiker, der Ingenieure, der Chemiker und der Mediziner im klassisch westlich ausgebildeten Sinne, auf der anderen Seite eine mittlerweile zahlenmäßig zunehmende Bevölkerungsgruppe, die nicht so stark auf die strenge Wissenschaftlichkeit fixiert ist und sich recht unverkrampft Phänomenen und Beobachtungen zuwendet, die der ersten Gruppe völlig zuwider sind. In der erstgenannten Welt der »Soliden und Ordentlichen«, man kann sagen in deren Glaubenskosmos, ist alles, was existiert oder was existieren soll bzw. darf, klar definiert. Jede Form einer auftretenden Existenz muss man zweifelsfrei messen bzw. nachweisen können, und sie muss sich auf einer vorgegebenen Grundlagenbasis schlüssig erklären und jederzeit reproduzieren lassen."Das Glück ist manchmal mit die Dummen", so der Volksmund, doch wer meint hier wen?
Die folgenden Überlegungen mögen zunächst als fürchterlich trocken und zutiefst theoretisch erscheinen, allerdings wird auf diese Gedankenübung im Folgenden öfters Bezug genommen. Eine kleine textliche Durststrecke sei zu ertragen, auf jeden Fall wird hier niemand ernsthaft zu Schaden gelangen.
Wie bereits erwähnt, neigt der Mensch sehr stark dazu, dass er alles irgendwie vollständig erklären muss, was ihn in seiner Vorstellungswelt umgibt. Da das menschliche Wissen, bezogen auf die Natur oder das, was sich als Projektion der Außenwelt in uns als scheinbare Natur bzw. Realität manifestiert, tragischerweise immer lückenhaft sein wird, müssen wir vieles, was wir nicht wissen, glauben. Trotz immenser Fortschritte werden wir alle Wissenslücken nie vollständig schließen können (und vielleicht auch nicht sollen). Der Glaube ist also gewissermaßen die Differenz zwischen dem, was jeder Einzelne weiß, und dem, was er sich in seinem jeweiligen Weltbild so alles vorstellen kann. Viele verwechseln allerdings Glauben mit Wissen, der Glaube ist immer der unscharfe Ersatz des Nichtwissenkönnens oder -wollens. Egal ob wir wissen oder glauben, wir befüllen unsere Vorstellungswelt immer bis zum äußersten Rand mit beiden Komponenten, egal ob richtig oder falsch, und zwar genau in dem individuellen Verhältnis einer uns plausibel erscheinenden Folgerichtigkeit.